Situation aus der Praxis mit EBN gelöst

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Situationsbeschreibung aus der Pflegepraxis

 

Frau Werner ist 78 Jahre alt, leidet unter Diabetes mellitus Typ 2 und hat eine Wunde an der Sohle des rechten Fußes, ein sogenanntes Diabetisches Gangrän. Sie arbeiten in der ambulanten Pflege und richten bei Frau Werner die Medikamente. Anschließend gehen Sie ins Zimmer, um Insulin zu verabreichen.

Die Tochter, Frau Schuster, ist Heilpraktikerin und übernimmt eigenverantwortlich die Wundversorgung bei ihrer Mutter. Zufälligerweise kommen Sie gerade als die Tochter anwesend ist und erleben einen Verbandswechsel mit.

Dabei wird der Urin von Frau Werner vom Katheterschlauch in eine Spritze aufgezogen und anschließend zur Wundreinigung verwendet. Danach wird eine gelblich-weiße Paste in die Wunde aufgetragen. Sie Fragen Frau Schuster, die Ihnen darauf hin überzeugend erklärt: „Das ist eine von mir selbstangerührte Creme mit Honig, Quark und Zinksalbe!“.

Sie sind sehr erstaunt und sprechen mit der Tochter von Frau Werner, die sich nicht davon abhalten lässt und darauf verweist, dass sie mit diesen Maßnahmen schon oft bei anderen Patient/innen mit Wunden in ihrer Heilpraktikertätigkeit erfolgreich war.

 

 

Was denken Sie, wie sollten Sie in der Situation reagieren?

  1. Bevor Sie weiterlesen, machen Sie sich zuerst selbst einige Gedanken, wie Sie die Situation bewerten und darauf reagieren würden.
  2. Nehmen Sie ein leeres Blatt Papier und schreiben Sie in Stichworten Ihr Vorgehen anhand der EBN-Methode

 

Anschauliche Klärung der Situation mit Hilfe der Theorie bzw. des Konzepts

 

Dies ist eine mögliche Variante!

 

Kurz: Was ist EBN?

Evidence-based Nursing umfasst das sinnvolle Einbeziehen der derzeit besten wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Pflegepraxis.

Dabei werden folgende Aspekte mit einbezogen:

1.    Erfahrungen (Pflegeexpertise) der Pflegenden

2.    Vorstellungen/Befinden/Bedürfnisse des Patienten/Bewohners und

3.    die vorhandenen Ressourcen/Rahmenbedingungen

EBN kann als Entscheidungshilfe für die Lösung pflegerelevanter Probleme betrachtet werden.

 

EBN hilft den Pflegenden in der Praxis zu belegen,

 

-       welche Pflegemaßnahme

-       warum  und

-       wie

durchgeführt werden soll und am sinnvollsten für den Patienten bzw. Bewohner ist.

Dadurch werden die richtigen Pflegemaßnahmen richtig durchgeführt, was eine große Zeitersparnis zur Folge hat è Mehr Zeit für Patient/innen/Bewohner/innen

 

Wie gehe ich vor?

In dieser Situation ist es zuerst einmal wichtig, zu realisieren, warum die Angehörige so abweisend reagiert hat. Es ist wahrscheinlich so, dass sie sich persönlich angegriffen gefühlt hat und sich deshalb auf die Vorschläge nicht einlassen wollte. Bevor jetzt vorschnell Schlussfolgerungen gezogen werden, ist es ratsam, erst einmal zu prüfen, ob Eigenharntherapie und die alternative Wundauflage mit Honig und Quark wirklich nicht wirksam sind.

Eine hilfreiche Methode stellt evidence based nursing dar. Anhand von 6 Schritten kann herausgefunden werden, wie ein Pflegeproblem unter Berücksichtigung von wissenschaftlichen Erkenntnissen gelöst werden kann.

Im 1. Schrit

kläre ich, dass es sich um ein wichtiges Pflegeproblem in der Praxis handelt. Schließlich kommen ähnliche Situationen auch in anderen Einrichtungen immer wieder vor.

Im 2. Schritt

wird die Fragestellung konkretisiert. Ich könnte klären, ob Honig in der Wundheilung sinnvoll ist und gehe der Frage nach, wie sinnvoll und hygienisch Eigenurin tatsächlich ist.

Im 3. Schritt

weiteren Schritt führe ich die Suche nach geeigneter Literatur über Datenbanken, wie zum Beispiel DIMDI, Carelit oder auch über die Artikelsuche von http:/scholar.google.de durch. Auch könnte ich auf Seiten, wie ebn.at oder auf der Homepage der Uni in Hamburg schauen, ob eine ähnliche Fragestellung schon einmal bearbeitet und damit eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen wurde.

Im 4. Schritt

bewerte ich dann die Ergebnisse der Artikel. Ich werde feststellen, dass Untersuchungen, die eine Wirksamkeit von Honig belegen, von entsprechenden Herstellern oder Imkern durchgeführt wurden, aber bis jetzt gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. In Bezug zum Eigenurin wird das Ergebnis ähnlich sein, zumal der vom Katheter abgenommene Urin durch die Stauung vermehrt Keime enthält.

Wenn ich alles zusammengestellt habe, werde ich einen Gesprächstermin mit Frau Schuster ausmachen, und ihr anhand der Belege begründen, dass die bis jetzt gewählten Behandlungsstrategien wenig erfolgsversprechend sind. Die Ergebnisse sollten nicht vorwurfsvoll vorgebracht werden, sondern die Möglichkeit für Frau Schuster bieten, in einen Erfahrungsaustausch zu treten. Es könnte sein, dass sie bereit ist, die bisherigen Erfahrungen noch intensiver zu reflektieren. Die Empfehlungen können dann in den Entscheidungsprozess um eine sinnvolle und für Frau Werner wirksame Wundauflage fließen.

 

 

 

Literatur, Hauptwerk, Internetquellen

http://www.medizin.uni-halle.de/pflegewissenschaft/index.php?id=346

http://www.ebn.at

http://www.ebn-zentrum.de

http://www.pflegewiki.de/wiki/Forschungsprozess

http://de.wikipedia.org/wiki/Evidence-based_Nursing

 

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