Pflegediagnosen in der Pflegeausbildung

Pflegediagnosen in der Pflegepraxis

 

NANDA, (E) INP, NIC, NOC und Co

Wer, wie was

Wieso weshalb warum?

Vielen herzlichen Dank für Ihr Interesse am Thema Pflegediagnosen. Meine Kollegin Heidi Mühlig-Versen und ich möchten Sie über Pflegediagnosen informieren, und welche Bedeutung sie in der Pflegepraxis haben, können.

zum simpleshow-Erklärfilm Pflegediagnosen: https://videos.mysimpleshow.com/JKJwx7S9qZ

 

Wir setzen den Schwerpunkt auf die NANDA-Diagnosen. Beginnen möchte ich mit der Frage nach dem Warum?

Wir erleben es aktuell und nicht nur in Zeiten von CoVid-19. Vielfältige Veränderungen, wie steigender Kostendruck, immer wieder Aktualisierungen in der Krankenhausfinanzierung, die generalistische Ausbildung, die in diesem Jahr gestartet ist, und viele weitere Entwicklungen zwingen uns in der Pflege dazu, unsere Leistung konkret nachzuweisen zu können.

In der Medizin gibt es die ICD-Klassifikation. Analog dazu helfen Pflegediagnosen, pflegerische Leistungen konkret zu erfassen, was eine immense Zeitersparnis bedeuten kann

 

Folgenden 2 Fragen wollen wir nachgehen:

1.       Was sind eigentlich Pflegediagnosen? und

       Welche Vorteile haben Pflegediagnosen verbunden mit der kritischen Betrachtung

Beginnen möchte ich mit der Frage nach dem Was? Diagnose kann mit Begriffen, wie unterscheiden, feststellen eines Zusammenhangs erklärt werden

Wichtig finde ich, dass der Begriff nicht nur zur Medizin gehört. Warum sollen nur Ärzte diagnostizieren.

  • Wenn man zum Friseur geht, gibt es eine Haardiagnose,
  • In der Autowerkstatt wird eine KFZ-Diagnose durchgeführt
  • Für kranke Blumen, wird eine Blumen-Diagnose-App vom Hobby-Gärtner benutzt

Warum sollen dann nicht auch Pflegefachkräfte Pflegediagnosen erstellen können. Schließlich haben wir das auch immer schon getan, nur nicht so benannt

Wir alle kennen die 6 Schritte des Pflegeprozesses. Schritt 2 Benennen von Problemen und Ressourcen wird durch das Erstellen einer Pflegediagnose ersetzt

An sich sind Pflegediagnosen uns nicht fremd.

 

Definition Pflegediagnosen (PD)

Hier die etwas sperrige Definition der NANDA: Nach der North American Nursing Diagnosis Association (NANDA)

ist eine Pflegediagnose „ …

  • die klinische Beurteilung der Reaktion
  • von Einzelpersonen, Familien oder sozialen Gemeinschaften
  • auf aktuelle oder potentielle Probleme der Gesundheit oder im Lebensprozess.“

 

Also sind Pflegediagnosen kurz und präzise formuliert, nehmen den Gesundheitszustand in den Blick, beschreiben die Folgen der Erkrankung und Therapie und die Reaktionen der Pflegeempfänger und beschreiben, weshalb Pflege benötigt wird

Pflegediagnosen liefern also Argumente für Pflegeinterventionen

 

Pflegediagnosen im Vergleich zu medizinischen Diagnosen

Wichtig ist auch medizinische Diagnosen mit Pflegediagnosen zu vergleichen, um zu verdeutlichen, wie wichtig Pflegediagnosen für uns in der Pflegepraxis sind

Bei Pflegediagnosen geht es um das Krankheitserleben. Der Weg zur Pflegediagnose führt neben dem Assessment über das sehr persönliche Gespräch mit dem Pflegeempfänger. Nicht nur Organe sondern menschliche Reaktionsmuster werden in den Blick genommen

Es wird eher aus der Perspektive des Pflegeempfängers geschaut und der Pflegebedarf mit pflegerischen Interventionen  in Richtung Gesundheitsförderung abgeleitet

 

 

Welche Ziele werden verfolgt?

Anhand dieser 6 Ziele wird extrem deutlich, wie Pflegediagnosen unsere Pflegepraxis und die Ausbildung erleichtern können. Es geht nicht nur um die klare und übersichtliche Beschreibung der Pflegesituation, sondern um eine immense Zeitersparnis bei der Dokumentation in Datenbanken und wie bereits angesprochen liefern Pflegediagnosen Argumente, warum Pflege sinnvoll ist und welche Pflegemaßnahmen für den Pflegeempfänger wirksam sind

 

Bei zu Beginn gesagt, wollen wir die NANDA-Pflegediagnosen genauer unter die Lupe nehmen

Die einzelnen Domänen der Pflegediagnosen sind Hautgruppen, die in 47 Klassen gruppiert werden. Insgesamt gibt es 244 Pflegediagnosen, wobei es kontinuierlich Aktualisierungen gibt. Uns kommen einzelne Domänen bekannt vor.  Insbesondere in der Altenpflege sind die ABEDLS nach Krohwinkel ein Begriff. Auch eine direkte Verknüpfung zum Strukturmodell, also der Strukturierten Informationssammlung ist erkennbar

 

 

Schauen wir uns die Arten von Pflegediagnosen genauer an.

Arten von Pflegediagnosen

Es gibt folgende 4 Arten:

problemfokussierte Pflegediagnosen

beschreiben unerwünschte menschliche Reaktionen auf Gesundheitszustände/ Lebensprozesse,  die bei Individuen, Familien oder Gemeinschaften auftreten. Ihre Struktur ist dreiteilig.

Risiko-Pflegediagnosen

beschreiben menschliche Reaktionen auf Gesundheitszustände/Lebensprozesse, die sich bei verletzlichen (vulnerablen) Individuen, Familien oder Gemeinschaften entwickeln können.

Beispiel für eine Risiko-PD: Er äußert im Gespräch der Bezugspflegeperson gegenüber das „Verlangen zu sterben und allem ein Ende zu machen“.

 

Syndrom-PD

beschreiben ein Bündel (cluster) menschlicher Reaktionen auf aktuelle und potentielle Gesundheitszustände/ Lebensprozesse, die bei Individuen oder Familien vorkommen.

Beispiel

bemerkenswert ist, dass neben physischen Diagnosen, wie beeinträchtigte körperliche Mobilität

Gefahr einer Hautschädigung

auch psychische Diagnosen, wie Machtlosigkeit zugeordnet werden.

 

Gesundheits-PD

beschreiben menschliche Reaktionen von Individuen, Familien oder Gemeinschaften auf gesundheitliches Wohlbefinden (Wellness), die das Potential einer Entwicklung auf ein höheres Niveau beinhalten.

Beispiele

Bekannte Themen sind Ernährung, Bewegung und Bewältigungsstrategien. Manche von Ihnen kennen das Wort Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit von Menschen in Krisen. Interessant ist auch der Hinweis auf das Thema Wissen, das in Zusammenhang mit Selbstverantwortung gesehen werden kann.

 

Das PÄS-System

Wie sind eigentlich PD aufgebaut

Wir unterscheiden das PÄS-System, wobei P für Problem, Ä für Ätiologie, also Ursachen und S für Symptome steht.

Nun geht es an das Eingemachte: Wie wird konkret eine Pflegediagnose erstellt. Hier werden die einzelnen Schritte, mit Beziehungsaufbau, Informationen sammeln, Daten durch beobachten, messen, etc. erheben, suchen und Pflegediagnose auswählen kurz vorgestellt. 

Wichtig ist dabei, dass der Pflegeempfänger immer wieder befragt wird, damit man auf dem richtigen Weg bleibt. Abhängig davon, welche Art von Pflegediagnose erstellt wird, leiten sich weitere Schritte ab

Bei einer aktuellen also problemfokussierten PD wird nach dem PÄS-Format eine Pflegediagnose erstellt. Bei einer Risiko-PD gibt es das PR-Format mit PD-Titel und R, wie Risikofaktor

 

Beurteilungskriterien helfen, ob die PD korrekt erstellt wurde

Nicht nur Punkte, wie, ob die  Hauptproblematik, der Pflegeaufwand, also Pflegebedarf oder die Pflegemaßnahmen, also Pflegeinterventionen richtig erfasst wurden, werden in den Blick genommen. Es wird auch die Perspektive des Pflegeempfängers und des gesamten Pflegeteams in den Blick genommen.

 

Vorteile von Pflegediagnosen

Kommen wir nun zu den Vorteilen. Was bringt es uns in der Pflegepraxis, wenn wir mit Pflegediagnosen arbeiten?

3 Bereiche stechen hervor:

Zum einen erleichtert es uns die Kommunikation mit anderen Berufsgruppen und den Pflegeempfängern

Zum 2. Sind Pflegediagnosen eine Argumentationsgrundlage für die Leistungsabrechnung

Und 3. Kann der Einsatz von Pflegediagnosen ein Schub für die Professionalisierung bedeuten und unser berufliches Selbstbewusstsein stärken.

 

Nachteile werden auch gesehen

Zum Beispiel kritisieren Ärzte PD und könnten die Einführung blockieren

Neben den Problemen, dass Menschen kränker eingeschätzt werden, als sie sind, weil es eben dann mehr Geld gibt, wird der hohe Zeitbedarf für Schulungen und auch für das PD-Erstellen an sich sehr kritisch gesehen

 

Kernbotschaften

für die Pflegeausbildung und die Pflegepraxis

 

Pflegediagnosen, wenn sie in der Pflegepraxis verankert sind, helfen uns, dass wir gegenüber anderen Berufsgruppen und Kostenträgern vermitteln können, was wir leisten und was wir fordern. Wir müssen unseren gesellschaftlichen Beitrag nachweisen, damit er entsprechend honoriert wird.

Dadurch hören Patienten und Angehörige auf zu Klatschen und sind bereit auch mehr für die Pflege bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit zu bezahlen.

Pflegediagnosen erleichtern auch das Erstellen von Pflegeplänen, denn der 2. Schritt mit dem oft zeitaufwendigen, nervenaufreibenden, unbefriedigenden Erstellen von Pflegeproblemen und Ressourcen wird durch eine eindeutige Pflegediagnose von jeder Pflegekraft gleich erstellt.

Am Beispiel Angst wird es deutlich

Angst und die Interventionen sind konkret festgelegt. Somit gewährleisten Pflegediagnosen, dass Pflegekräfte das Gleiche wissen, Das Gleiche verstehen und auch das Gleiche tun.

Was passiert, wenn Pflegediagnosen flächendeckend angewendet werden? z.B. Pflegediagnose: „Angst“,

Pflegemaßnahme: angstreduzierendes Gespräch 20 Minuten, sichtbare und konkrete Nachweise, damit Pflegeleistungen berechenbar werden:

zwingen Politiker und Krankenkassen zum Handeln

 

Weiterführende Infos, Bücher und der Link zum ENP-Trainer

 

Links

https://www.recom.eu/wissen/enp-entwicklung/definitionen-der-klassenbegriffe/enp-pflegediagnose.html

 

weitere Infos Tipps und Hilfestellungen für die Pflegeausbildung und Pflegepraxis finden Sie auf http://www.pflegeunterricht-online.de

 

 

www.klinikkompass.info!

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