PflegeAlarm

Liebe Kolleginnen und Kollegen


Das Thema Fachkräftemangel in der Pflege bewegt uns seit Jahren und wir sind auch direkt davon in unserem beruflichen Alltag davon betroffen.

 

Fachkräftemangel in der Pflege

 

Aktuelle Situation in der Pflege

Zahlen

Details / Kommentar / Bewertung

Pflegebedürftige

D: 2,6 Mio

in 2060: 4,7 Mio

Verdoppelung der Anzahl der Pflegebedürftigen im Laufe der nächsten 40 Jahre

Kennzeichen

Hochaltrigkeit, Multimorbidität, was eine Zunahme des Pflegebedarfs und erhöhte Anforderungen an Pflegefachkräfte mit sich bringt.

Pflegefachkräfte

 

SWR-Klinik-Check 2015: 53 % der Kliniken finden nicht genügend Pflegepersonal

 

In den letzten 20 J. wurden 50.000 Stellen gestrichen

Auf 100 gemeldete freie Stellen kommen statistisch gesehen nur 28 Bewerber

Das Statistische Bundesamt geht in einer im Jahr 2010 gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) veröffentlichten Projektionsstudie von einem voraussichtlichen ungedeckten Bedarf an ausgebildeten Pflegekräften in Höhe von (je nach Szenario) 135.000 bis 214.000 Pflegevollkräften bis zum Jahr 2025 aus.

  • Stellenstreichungen
  • Arbeitsverdichtung
  • Überlastung
  • Immer weniger Pflegekräfte sind für immer mehr Patienten bzw. Bewohner verantwortlich

Pflegeschlüssel im Vergleich zu anderen Ländern

Durchschnitt 7:1

Norwegen: 4:1

Deutschland: 10:1

RN4Cast-Auswertung:

Mit Spanien zusammen hat Deutschland die schlechteste Personalausstattung. Eine Pflegekraft hat im Schnitt 10 Patienten zu betreuen, wobei der Schlüssel in Krankenhäusern eine Spanne von 6:1 – 15:1 hat.

 

Problematik

Konsequenzen für Patienten

Der massive Stellenabbau der letzten Jahre und die hohe Arbeitsverdichtung in der Pflege bedeuten für Patienten:

Arbeitsverdichtung und Personalmangel führt zum Berufsausstieg: Deutschland ist im internationalen Vergleich Schlusslicht. Auf der Homepage www.pflege-wandert-aus.de werden Ergebnisse der RN4Cast-Studie anschaulich präsentiert. Es werden die unterschiedlichen Kriterien, wie Patientenzahlen, Wertschätzung, Burnout, Arbeitsumfeld und Gehalt in europäischen Ländern, wie Norwegen, Schweden, England, Frankreich im Vergleich zu Deutschland verglichen

keine adäquate Demenzbetreuung im Krankenhaus: bei 60 % der an Demenz erkrankten Patienten eine nicht adäquate Betreuung mit Folgeproblemen und Komplikationen

eine Zunahme des Sterberisikos: Durch die Mehrarbeit durch einen zusätzlichen Patient erhöht sich das Sterblichkeitsrisiko im Zeitraum der nächsten 30 Tage um 7 % (Aiken et al. 2014)

Konsequenzen für Patienten

Zunahme von Stress und Burnout: Ca. 50 % der Altenpflegekräfte und mehr als 60 % der Gesundheits- und Krankenpflegekräfte klagen über eine zunehmende Arbeitsbelastung mit Stress-Symptomen, wie Schmerzen, Schlafproblemen und psycho-vegetativen Störungen (Durchschnitt bei allen Berufen: 41 %)(www.baua.de).

Zunahme der Teilzeitbeschäftigung: Die Teilzeitquote in Pflegeberufen ist mit 52 % fast doppelt so hoch wie die der übrigen Beschäftigten im Gesundheitswesen. Das dürfte vor allem Ergebnis einer durch Unterbesetzung verursachten chronischen Überlastung des Pflegepersonals sein (Simon 2014).

 

Perspektiven

Welche Strategien existieren bereits? Wie erfolgsversprechend sind Sie?

Die Gewinnung Nachwuchskräften für die Pflege ist eine bedeutsame gesellschaftliche Aufgabe, schließlich haben alle Bürgerinnen und Bürger der Gesellschaft als Betroffene, Angehörige, Kostenträger bzw. Leistungserbringer direkt bzw. indirekt Bezug zur Pflege.

 

Zahlreiche Aktionen wurden bereits gestartet und müssen intensiviert werden, wie etwa die Fachkräfte-Allianz Baden-Württemberg oder die Qualifizierungsoffensive Altenhilfe. Es geht darum, die Pflegeberufe schon frühzeitig in Schulen oder anderen Orten zu präsentieren, den Stellenwert der Pflege in der Gesellschaft durch Öffentlichkeitsarbeit hervorzuheben und vor allen Dingen darum, durch Veränderung der Rahmenbedingungen, den sich verschärfenden Fachkräftemangel und die dramatisch zunehmende Arbeitsverdichtung in der Pflege zu entkräften.

 

Pflege an allgemeinbildenden Schulen präsentieren 

Pflege als Unterrichtsfach: Im Rahmen des regulären Unterrichts an Grundschulen und weiterführenden Schulen besteht die Chance in Stunden, die soziale Themen aufgreifen, die pflegerische Perspektive mit einfließen zu lassen. Pflegekräfte könnten auf Honorarbasis diese Themen aufbereiten, damit schon frühzeitig Schülerinnen und Schüler mit dem Berufsfeld Pflege in Berührung kommen.

Mögliche Themen wären:

  Projektwoche: Am Ende eines Schuljahres bieten viele Schulen Projektwochen an.

 Mögliche Projekte:

 Besuch einer sozialen Einrichtung (Pflegeheim, Krankenhaus, etc.)

 - „Wenn ich einmal alt bin“  Alterssimulationsanzug

 - Jung und alt

 - Was die Großmutter noch wusste

 

 Schulpraktikas: Im Rahmen der Berufsvorbereitung.

 Einrichtungen sollten vermehrt Kontakt zu Schulen aufnehmen und solche Praktikas mit den entsprechenden Lehrkräften koordinieren.

 Zusätzlich besteht die Chance auf Berufsinfomessen, die in größeren Städten, aber auch an Schulen alljährlich stattfinden, den Pflegeberuf an Ständen zu präsentieren.

 

Image-Kampagne „Vom Fach – für Menschen“

Die Kampagne sollte die großen Leistungen sowie die fachliche und persönliche Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflegehilfe, der Altenpflege, der Altenpflegehilfe, der hauswirtschaftlichen Berufe, der Heilerziehungspflege, der Heilerziehungspflegehilfe, der Arbeitserziehung, der Haus- und Familienpflege und der Heilpädagogik in der Öffentlichkeit darstellen und dadurch auf eine Steigerung des Ansehens dieser Berufe in der Bevölkerung hinwirken.

Die Kampagne richtete sich sowohl an Schulabgänger als auch an Personen, die nach einer Familienphase, nach Arbeitslosigkeit oder beruflicher Umorientierung vor einer Berufswahlentscheidung stehen.

Die Informations- und Werbekampagne solle auch gezielt in Baden-Württemberg lebende Menschen mit Migrationshintergrund ansprechen.

Im Mittelpunkt stand die Website www.vom-fach-fuer-menschen.de.

Sie wurde nach dem Regierungswechsel (Ablösung von Frau Altpeter durch Herrn Lucha im Sozialministerium) eingestellt.

 

Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege

Kernziele sind verstärkte Ausbildungsanstrengungen und die bedarfsorientierte Erhöhung der Ausbildungskapazitäten bei Einrichtungen und Schulen, die Erschließung des Nachqualifizierungspotenzials in der Altenpflege, die Weiterbildungsförderung durch die Arbeitsagenturen und Jobcenter, die Weiterentwicklung der Pflegeberufe, die verbesserte Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen im Pflegebereich, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Familie und Ausbildung in der Altenpflege, attraktive Arbeitsbedingungen in der Altenpflege, die Förderung der gesellschaftlichen Bedeutung des Berufsfeldes durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Altenpflege.

 

Ausländische Pflegekräfte gewinnen „Triple-Win-Projekt“

Im Rahmen einer Kooperation der Bundesagentur für Arbeit mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit mbH (GIZ) wurde das „Triple-Win-Projekt“ auf den Weg gebracht.

Im Rahmen dieses Projekts werden Pflegefachkräfte aus Bosnien, Serbien und ggf. weiteren Ländern für eine Tätigkeit im Pflegebereich in Deutschland qualifiziert. Gemeinsames Ziel ist die Anerkennung des im Ausland erworbenen Abschlusses. Neben der Identifizierung geeigneter Pflegefachkräfte im Herkunftsland, einer bedarfsorientierten Qualifizierung der ausgewählten Pflegefachkräfte durch vorbereitende Sprach- und fachliche Orientierungskurse vor Ort in den Herkunftsländern werden Arbeitgeber und Fachkräfte bei der Abwicklung von Visa-Angelegenheiten und Einreisemodalitäten unterstützt. Außerdem findet eine Begleitung der Arbeitgeber und der Pflegefachkräfte bei der Integration im Unternehmen statt. Begleitend werden in Kooperation mit Pflegeschulen begleitende Schulungsmaßnahmen durchgeführt.

Es profitieren alle Beteiligten: Die Interessen der baden-württembergischen Arbeitgeber, die persönliche Situation der Pflegekräfte und die Situation in den Herkunftsländern werden berücksichtigt.

 

Forderungen

  •  angemessene Personalausstattung entsprechend dem tatsächlichen Pflegebedarf
  • Eine nachhaltige Finanzierung des Pflegepersonalszweckgebundene Mittelverwendung in Einrichtungen des Gesundheitswesens
  • qualitative Weiterentwicklung der Fort- und Weiterbildung
  • und vor allem: eine an der hohen Verantwort und den steigenden Anforderungen des Pflegeberufs orientierte Bezahlung

 

Neben der Pflege-Enquete-Kommission in Baden-Württemberg, die sich diesem Thema annimmt, gibt es auch weitere Projekte zu dieser Thematik in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Evtl. sind diese Strategien für Baden-Württemberg auch nutzbar.

 

Regionalkonferenzen in Nordrhein-Westphalen

Ziel der Konferenzen Ziel der Konferenzen ist, die regionalen Entwicklungen im Pflegebereich vorzustellen und mit den regionalen Akteuren zu diskutieren.

Die Regionalkonferenzen richten sich daher an Leitungskräfte aus den Sektoren Krankenhaus, Ambulante Pflege, Teil - /Vollstationäre Pflege, den Ausbildungsstätten ebenso wie an Interessierte aus Politik, Kommunen, Berufsverbänden sowie der regionalen Arbeitsagenturen. Ziel ist es, regionale Akteure zusammenzubringen und gemeinsame Netzwerkaktivitäten zu entwickeln.

Neben der Information über die aktuellen regionalisierten Daten steht daher auch der Austausch mit im Mittelpunkt. Die Vorstellung der regionalen Daten wird ergänzt durch exemplarische Projekte aus den Regionen. Unternehmen, die wegweisende Strategien der Fachkräftesicherung umsetzen, berichten über ihre Erfahrungen.

Bis zu 150 lokale Entscheider im Gesundheitswesen können das Forum der Fachkonferenz zur Information und zum Austausch über Handlungs- und Entwicklungsansätze zur Fachkräftesicherung in der Pflege nutzen.

zum Info-Flyer des Projekts

die Projektbeschreibung auf der Homepage des Deutschen Instituts für Pflegeforschung www.dip.de

 

Attraktive Arbeitsbedingungen in der Altenpflege Rheinland-Pfalz

Einrichtungen der Altenpflege in Rheinland-Pfalz unternehmen bereits viel, um gute Beschäftigungsbedingungen zu gewährleisten. Das ist jedenfalls das Ergebnis eines zweijährigen Landesprojekts, das das Arbeitsministerium des Landes am Montag vorgestellt hat. Danach böten viele Einrichtungen zum Beispiel flexible Arbeitszeitmodelle an, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Zudem gebe es zahlreiche Beispiele, wie Führungskultur und Führungsverhalten mitarbeiterorientiert gestaltet werden könnten.

Entsprechend ließen sich auch gute Ansätze zur Gestaltung attraktiver Beschäftigungsbedingungen mittels regionaler Workshops träger- und sektorenübergreifend verbreiten.

Im Projekt wurden 48 individuelle Vor-Ort-Beratungen in Pflegeheimen und ambulanten Diensten geleistet. In den Beratungen wurden Stärken sichtbar, Handlungsbedarfe identifiziert und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen geplant.

direkt zur Homepage des Projekts Attraktive Arbeitsbedingungen in der Altenpflege
 

Direkt zum Abschlussbericht Zukunftsprogramm GP2020

 

Schöne Grüße

Martin Huber

 

 

Quellen:

 Aiken LH, Sloane DM, Bruyneel L, et al. (2014). Nurse staffing and education and hospital mortality in nine European countries: a retrospective observational study. Lancet. 2014 ay 24;383(9931):1824-30. doi: 10.1016/S0140-6736(13)62631-8. Epub 2014 Feb 26

 BauA (2014). Arbeit in der Pflege – Arbeit am Limit? Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche. www.baua.de/dok/5479728

 DBfK: Zahlen – Daten – Fakten – Pflege: Stand 2015

 http://bmg.bund.de/themen/pflege/pflegekraefte/pflegefachkraeftemangel.html

 Deutscher Pflegerat: Focus dpr_position_personalmangel 141215

 www.pflege-wandert-aus.de

 Simon, Michael (2012). Beschäftigte und Beschäftigungsstrukturen in Pflegeberufen: Eine Analyse der Jahre 1999 bis 2009. Studie für den Deutschen Pflegerat. http://f5.hs-hannover.de/personen/lehrende/simon-michael-prof-dr-phil-prof/

 

 

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